Siemenslager Fundamente der Lagerhallen

Lagererrichtung

Wie kam es zur Errichtung des Siemenslagers?

Der erste Konzern der Zwangsarbeit nutze, war die IG Farben 1940/1941. Es folgten die Heinkel-Werke und auch Siemens gehörte mit der Produktionsaufnahme in Ravensbrück zu den ersten Industrieunternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten. (Jacobeit, S. 159)

Auf Verlangen des Reichsluftfahrtsministeriums kam es im Mai 1942 zu ersten Verhandlungen zwischen Siemens und Halske (S & H) und der SS-Führung über den Aufbau einer Fertigungsstätte in Ravensbrück. Allerdings gibt es Hinweise, dass Siemens und Halske bereits vor diesem Termin entsprechende Gespräche führte (vgl.Strebel 2003, S. 388).

Männliche Arbeitskräfte waren zumeist im Kriegseinsatz, die Kriegswirtschaft brauchte wachsenden Nachschub. Dies führte zu einer immer größeren Lücke zwischen Produktion und Bedarf. Um diese Lücke nicht größer werden zu lassen, setzte man in der deutschen Wirtschaft zunächst auf die Verlängerung der Arbeitszeiten. Es folgte der vermehrte Einsatz von Frauen, die Anheuerung von Fremdarbeitern, die Verpflichtung von Zwangsarbeitern und als letzte Stufe der Rückgriff auf das Arbeitskräftepotenzial der Konzentrationslager. Zudem mussten die Produktionsstätten wegen der zunehmenden Fliegerangriffe aus den Ballungszentren verlagert werden.

„Die Entscheidung Zwangsarbeiter einzusetzen, wurde primär unter wirtschaftlich-technischen Effizienzgesichtspunkten getroffen, weil die Produktion ohne den Einsatz dieser Arbeitskräfte nicht in dem geforderten Maße hätte fortgesetzt werden können. Die Motive für den Einsatz von Zwangsarbeitern waren in den wenigsten Fällen ideologisch-rassistisch, sondern stärker durch Überlegungen beeinflusst, wie die deutsche Wirtschaft ihre als nationale Pflicht aufgefassten Anforderungen erfüllen konnte“ (Feldenkirchen 2003, 175 ).

„In Bezug auf die Beschäftigung (…) [von] KZ-Häftlinge[n] finden sich innerhalb des Vorstandes der verschiedenen Siemens-Firmen sehr unterschiedliche Auffassungen, die von radikaler Ablehnung bis hin zur Forderung nach Zuweisung weiterer Personen reichen. Die Lage bei Siemens entsprach damit der Situation der gesamten deutschen Großindustrie, der deutschen Landwirtschaft und weiten Teilen der öffentlich-rechtlichen Unternehmen, die spätestens seit Ende 1941 auf die Beschäftigung von Zwangsarbeitern angewiesen waren“(ebd.)

Strebel schlussfolgert, dass „das Vorgehen von S & H dem eines marktführenden Konzerns [entsprach], der, um seine Stellung zu halten und weiter auszubauen, nicht nur flexibel, sondern auch vorausschauend agieren musste“ (Strebel, 392).

Die Errichtung des Siemenswerkes in Ravensbrück entspricht folglich beiden Interessen: dem von Siemens, die Produktion aufrecht zu erhalten bzw. zu steigern und dem der NS-Systeme, die Kriegswirtschaft funktionsfähig zu halten.

Die Häftlinge marschierten auf Ihrem Weg vom Hauptlager zu den Siemens-Werkhallen mehrmals täglich am Krematorium vorbei, wo ab Dezember 1944 Massenerschießungen stattfanden (Strebel, 415). „Ab Ende Januar/Anfang Februar wurde in unmittelbarer Nähe [im Jugendlager Uckermark] die provisorische Gaskammer in Betrieb genommen“ (ebd.). Die Errichtung des Siemenslagers könnte insofern auch auf Drängen der Lagerleitung hin erfolgt sein, „da ansonsten alle Bemühungen um eine Geheimhaltung der Massentötungen von vornherein hinfällig gewesen wären“ (ebd.)

An Planung und Errichtung der Ravensbrücker Werkstätten dürften demnach ebenfalls beide Seiten beteiligt gewesen sein (vgl. Strebel, 392).

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Bildnachweise

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Filmaufnahmen

Christian Schidlowski; www.christian-schidlowski.de

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