Siemenslager Fundamente der Lagerhallen

Beziehungen

Verhältnis zwischen Häftlingen, Siemens Mitarbeitern und SS-Aufsehern

Die zivilen Siemens-Mitarbeiter stammten u.A. aus in der Nähe liegenden Werken. Beispielhaft sei „Frau K.“ genannt, die im Juli 1943 in einem Berliner Siemens-Werk als Vorarbeiterin für die Siemens Fertigungsstätte in Ravensbrück geworben wurde (Strebel, 398). „Trotz anfänglicher Bedenken fügte K. sich schließlich, hauptsächlich aufgrund diffuser Autoritätsängste und der Verlockung eines ungewöhnlich hohen Lohnes“ (Strebel, 396f).

Die Berichte über das Verhalten der einzelnen Meister und Vorarbeiter zeigen ein differenziertes Bild, das von brutaler Schikanierung über korrekte Behandlung bis hin zu konkreter Hilfe und Nahrungsmittelverteilung reicht (Feldenkirchen 2003, 174).

Margit Rustow und Selma van de Perre berichten von einem eher guten Verhältnis zu den zivilen Kräften. Auch ergaben sich teilweise engere Beziehungen. Selma van de Perre berichtet von Herrn Seefeld, Chef ihrer Werkshalle, der zu ihrem Protegé avancierte. Sie erzählt auch von einer, „rothaarigen“ Aufseherin, die die Arbeiterinnen im Vergleich zu anderen Aufseherinnen besser behandelte. Margrit Rustow berichtet von „guten Menschen“ wie den Brüdern und Ingenieuren Rüschke oder Herrn Bahls. Auch insgesamt wird das Verhältnis von Zwangsarbeiterinnen, Siemenspersonal und SS-Aufsichtspersonal von beiden im Vergleich zum Hauptlager als besser beschrieben. Außerdem können sie sich an einen gezielten, von den Siemens-Arbeitern beförderten Austausch von geschwächten Arbeiterinnen nicht erinnern. Ein „Abschalten“ gebrechlicher Häftlinge hat es scheinbar nicht gegeben. Die Berichte über Selektionsmaßnahmen widersprechen sich teilweise (Strebel, 417f). Eine gesicherte Aussage kann hier also nicht getroffen werden.

„Es kam mitunter zu Gesprächen politischen Inhalts, und Zivilarbeiter beförderten bisweilen sogar heimlich Häftlingsbriefe aus dem Lager oder empfingen welche. In machen Erlebnisberichten ist sogar von Siemens-Mitarbeitern die Rede, die sich als Linke zu erkennen gegeben, die über den Frontverlauf berichtet hätten usw.“ (Jacobeit, 167).

„Der Leiter der Produktionsstätte Otto Grade wurde von ehemaligen Häftlingen als Nazi und Pedant bezeichnet. Aus unternehmerischen Beweggründen habe er die Häftlinge bis zu einem gewissen Grade zwar geschützt, schreckte aber nicht davor zurück, „arbeitsunwillige Häftlinge bei der Aufseherin anzuzeigen.“ (Strebel, 400). Nach Zeugenaussagen wird die Hauptmotivation dieser Anzeigen eher in beruflichem Ehrgeiz und im Interesse der Leistung gesehen, als in der nationalsozialistischen Gesinnung. In den meisten Fällen war man bei S & H in Ravensbrück aber auf die Zusammenarbeit mit den Häftlingen angewiesen (ebd. und Krause-Schmidt, S.40).

Außerdem können sie sich an einen gezielten, von den Siemens-Arbeitern beförderten Austausch von geschwächten Arbeiterinnen nicht erinnern. Ein„Abschalten“ gebrechlicher Häftlinge hat es scheinbar nicht gegeben. Die Berichte über Selektionsmaßnahmen widersprechen sich teilweise (Strebel, 417f). Eine gesicherte Aussage kann hier also nicht getroffen werden.

© 2016 siemens@ravensbrück

Impressum

Werner-von-Siemens-Werkberufsschule
Schule in freier Trägerschaft der Siemens AG

Nonnendammallee 104
13629 Berlin, Deutschland
Vertretungsberechtigt: Angela Behns-Vespermann

Kontakt

wbs-bln.spe@siemens.com
Tel.: +4930 386 256 47
Fax: +4930 386 224 11

Aufsichtsbehörde

Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft
und Forschung Berlin
Otto-Braun-Str. 27
D-10178 Berlin-Mitte
www.berlin.de/sen/bildung

Registergericht

Berlin-Charlottenburg, HRB 12300
München, HRB 6684
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE129274202

Bildnachweise

“Bilder-Aus Sicht der SS”: Nutzung unter
Lizenz der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück;
Sonstige Bilder: © Siemens AG,
alle Rechte vorbehalten.

Filmaufnahmen

Christian Schidlowski; www.christian-schidlowski.de

home projekt zeitzeugen siemenslager frauenkonzentrationslager galerie kontakt
2010 2012 2013 2014 2015
selma van de perre dr. margrit rustow erna de vries
ilse heinrich irena forslind charlotte kroll
leon henry schwarzbaum
lagerplan lagererrichtung die siemensprüfung
arbeitsbedingungen organisation und besonderheiten beziehungen
die überwachung der häftlinge fundstücke
lagerplan lagererrichtung existenzbedingungen
gefangenen kategorien außenlager
konzentrationslager 1939-1945
umgebung heute
zeitzeuginnen besuch bei siemens